MEM

Jan Rohlf

[Ein Mem ist ein Informationsmuster, das in sich das Gesetz seiner Verbreitung enthält; ein Ideenkomplex, der sich im Moment seiner Entschlüsselung wie ein E – Virus im Datennetz vervielfältigt.]

„High-Tech-Ware ist zu fein für diese Welt“ … sie ist gefährdet in der Welt des Menschen, der Welt der Feuchtigkeit, des Schmutzes, der Grobheit und findet ihren Weg aus den ultrasterilen, trockenen elektronischen Laboratorien nur in Gehäusen aus hochwertigsten Materialien, die ihr empfindliches Innenleben abschirmen.
Die komplexe Beziehung zwischen Wetware/Biomasse und Elektronischer Technologie findet einzig auf Schutzhüllen, auf allegorischen Oberflächen statt, auf der sich jene subtile Ökonomie der Entschlüsselung, der Teilhabe und des Begehrens entfaltet. In dem Maße auch, wie elektronische Apparaturen und jene gewisse Beweglichkeit auf den Benutzeroberflächen der Medienwelt zum zwingenden Standard modernen Lebens geworden sind, in dem Maße haben die Materialien und das Design der Apparate längst Fetischcharakter. Analog zur Pornografie bindet die technologische Einheit den User an sich, zwingt ihn dazu, im Aussen zu verharren und im Innern die elektronischen Prozesse als unberührbar und unentschlüsselbar wahrzunehmen, als existentielles Geheimnis einer fremden Daseinsform.

Jan Rohlf setzt mit der Installation MeM seine Versuchsanordnungen zwischen Affirmation und Analyse fort, die sich dem zwangsläufigen wie zwanghaften Geheimnis moderner Alltagstechnologie und ihrer kulturellen Interpretation in der Waren- und Berufswelt widmen. In Rohlfs hybriden Konstellationen erscheint zwischen der klassischen Bipolarität von Organischem und Technischem jenes unsichtbare Netz der gegenseitigen Verstrickung, an deren Horizont die erotisch-bedrohliche Gestalt des Cyborg steht, die unwiderrufliche Verschmelzung von Mensch und Technik, von Gedanke und Bit.

M – im ersten Raum der Galerie – steht auf Polyamid-Rollen und besteht aus einem etwa 1 Meter hohen Edelstahlgestell, auf welchem eine Glasvitrine ein kleines Feld von Lämpchen vor der feuchten Atmung der Betrachter schützt. Die Lämpchen ragen wie Weizenhalme aus einem grünlich schimmernden Silikonboden und entblößen unterhalb der Vitrine ein Wurzelgeflecht von Drähten. Ein Display zeigt Temperatur, Druck und Luftfeucktigkeit der hermetisch abgeschirmten „biotechnologischen“ Sphäre an. Im zweiten Raum hängen Digitalprints. Zeichnungen, in welchen Icons von High-Tech-Produkten und die geschlechtslosen Schematas ihrer Benutzer als Funktionseinheiten der modernen Arbeitswelt erscheinen, geprägt von gegenseitiger zärtlicher Zuwendung …